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Simon Grotelüschen gewinnt die Kieler Woche 2011
Segeln im hier und jetzt!
Herzlichen Glückwunsch an Simon Grotelüschen für einen verdienten Sieg der Kieler Woche 2011 im Laser!
Simon liefert sich mit seinem deutschen Trainingspartner Phillip Buhl einen packenden Wettkampf um den ersten Platz.
Anbei der Text von Segelreporter Carsten Kemmling zu diesem historischen Duell, da noch nie 2 deutsche Lasersegler auf diesem hohen Niveau die Olympiafahrkarte unter sich aussegeln.
Quelle: Segelreporter, Autor: Carsten Kemmling
"Mann darf ja inzwischen zugeben, wenn er emotional angefasst ist, wenn es schon mal feucht wird hinter der Sonnenbrille. Manche kokettieren damit. Weichei ist in. Soll einen Schlag bei Frauen geben. Wie auch immer. Hilft eh nichts. Kathrin wird bestimmt petzen. Sie hat mich mit beschlagenen Gläsern erwischt. Also Selbstanzeige.
Es passiert beim Laser Medalrace. Gebannt verfolge ich das Rennen vor der Leinwand in Kiel, bevor der Mobo-Betreuer-Job auf die 470er Bahn ruft.
Simon startet stark. Philipp hängt zurück. Die Fronten scheinen geklärt. Da geht nichts mehr. Aber Buhl kommt zurück. Auf der ersten Vorwindstrecke verkürzt er den Abstand von 16 auf 6 Sekunden, segelt von 9 auf 3 vor und sitzt Grotelüschen im Nacken.
Was für ein packender Zweikampf. Es ist ordentlich Druck in der Luft. Beide klappen ihre stattlichen Körper maximal aus. Pumpen, asten, kämpfen. Die deutschen Laser-Recken gehören inzwischen zu den Top fünf Starkwind-Seglern der Welt. Das will etwas heißen in dieser Klasse.
In einer Sequenz auf der zweiten Kreuz segeln sie Minuten lang nebeneinander her. Buhl will in Lee durchbrechen. Das Rennen steht auf Messers Schneide. Wer am Ende vorne liegt könnte schon eine Vorentscheidung für Olympia erzwingen. Drei Jahre harte Arbeit kulminieren in diesen Moment.
Locker bleiben, alle schädlichen Gedanken ausblenden, nicht an Olympia denken, keine Angst vor der Niederlage zulassen, nicht die schmerzenden Beine fühlen, das Abklemmen der Oberschenkel-Blutversorgung von der Bordkante ertragen, die Laktat-Übersäuerung aus den Muskeln wegdenken.
Nur die nächste Welle anpeilen, die Atmung beruhigen, den Griff am Pinnenausleger entkrampfen, die Bewegung des Bootes spüren, den Körper im Rhythmus pendeln lassen, das Wasser auf der Suche nach Böen scannen, die Winddreher antizipieren, in den Groove kommen…
Diese Szene reißt mich weg. Längst vergessene Gefühle tauchen plötzlich auf.
(...)
Die Kraft der Bilder dieses unglaublich spannenden Rennens reißt aber auch unbeteiligte Zuschauer mit. Grotelüschen sagt später in der Pressekonferenz: „An Land ist ein mir unbekannter Mann auf mich zu und sagte. Entschuldigung, ich muss Sie kurz umarmen.“ Das Rennen habe ihn so mitgenommen.beiden Jungs messern auf einem unglaublichen Niveau. Auch sie vertrauen auf die Kraft des Team, die in der Laserklasse mit identischem Material wohl noch wichtiger ist, als in anderen. So gehört Coach Thomas Piesker mit dazu, aber auch Malte Kamrath. Er wird diesmal zwar nur 20. hat aber das Potenzial, ebenfalls in die Spitze zu segeln.
Toll, das Duell zu sehen. Hervorragend auf der Leinwand eingefangen, gut kommentiert und analysiert. Auf dem Weg mit dem Mobo zur 470er Frauen Bahn treffe ich die Laser Jungs auf dem Wasser.
Philipp Buhl hadert nach der Niederlage noch mit einer missglückten Halse. „Ich wollte auf einer Motorbootwelle schiften, habe sie aber nicht richtig erwischt.“ Vielleicht war das die fehlende Länge. Dann habe er auf dem letzten Vorwind ständig auf die entscheidende Böe gehofft, die dann doch nicht kam. „Aber eigentlich toll, dass wir wieder vorne an der Spitze racen.“
Er ist nach dem Ziel sofort zum Kollegen gesegelt, hat ihn abgeklatscht, Größe in der Niederlage gezeigt. Aber auch Grotelüschen macht deutlich: „Auch als Sieger habe ich die Verpflichtung, zu ihm zu fahren und Respekt zu zollen. Philipp hat ein tolles Rennen gesegelt.“
Es ist schon fast unheimlich, wie die Erzkonkurrenten miteinander umgehen. Auch während des Rennens hat Grotelüschen scheinbar bewusst vermieden, sich eng auf den Gegner zu legen. Daraus entstanden einige Chancen für Buhl, die er aber nicht nutzen konnte.
Grotelüschen erklärt: „Ich weiß, dass Phillipp bei diesem Wind besser wendet als ich. Deshalb wollte ich kein Wendeduell. Aber ich bin die zweite Kreuz auch nicht besonders gut gesegelt.“
Sein Vorsprung beträgt jetzt sechs Punkte, aber von einer Vorentscheidung will der Lübecker nichts wissen. „Philipp hat das Potenzial, die WM in Perth zu gewinnen. Dann muss ich auf jeden Fall mein Bestes geben, um da gegen zu halten.“
Was auch immer passiert. Etwas von der Lockerheit dieser Jungs hat mir damals vermutlich gefehlt. Auf den Fotos lachen sie im Zweikampf, als ginge es um eine spaßiges Trainingsrennen und nicht um den Lohn von Jahre langer Quälerei. Hut ab vor so viel Unbeschwertheit. Hoffentlich können sie sich diese Einstellung bewahren. Es gibt im Sport nicht viele, denen es gelingt."
